Warum ich Naturmeditation liebe

Draußen ist es einfach am schönsten. Das habe ich als Kind schon so empfunden.

Egal, ob es die „Wilde Wiese“ unserer Nachbarn war oder der nahe gelegene Wald mit seinen vielen verschiedenartigen Bäumen und den beiden kleinen, fast zugewachsenen Teichen – solange ich diese faszinierenden Naturräume erkunden konnte, brauchte ich keine zusätzliche Action oder Beschäftigung. Stundenlang konnte auf dieser Wiese sitzen, im Schatten einer flüsternden Birke oder ganz dicht am Wasser. Beobachten – spüren – sein.

Heute weiß ich, genau dieses Verhalten – das, was ich als Kind schon immer getan habe – war mein persönlicher Einstieg in die Naturmeditation. Und Naturmeditation ist heute eines meiner liebsten „Hobbys“. Sie ist für mich das perfekte Tool, um mehr Gelassenheit in meinen Alltag zu bringen und ein wichtiger Teil meiner Gesundheitsfürsorge.

Was aber macht Naturmeditation für mich so besonders?

Naturmeditation ist einfach.

"Lass deine Gedanken einfach vorüberziehen, wie Wolken an einem Sommerhimmel...."

Hast du schon einmal versucht zu meditieren? Dich auf ein Kissen gesetzt oder auf einen Stuhl und versucht, die kreisenden Gedanken zur Ruhe zu bringen? Und ist dir diese Übung leichtgefallen?

Wie viele Menschen, die mit Meditation beginnen, sind zunächst einmal frustriert! Frustriert, weil ihnen immer wieder die Gedanken dazwischenkommen, wenn sie doch EIGENTLICH meditieren wollen. Dabei geht es doch gar nicht darum, die Gedanken gewaltsam wegzudrängen. Es geht um das genaue Gegenteil. Es geht darum, das, was gerade da ist, da sein lassen – ob Gefühl, Gedanke oder Erleben – und es dann wieder vorüberziehen zu lassen.

Meditation ist der Zustand, der automatisch entsteht, wenn ich mich in die Betrachtung einer Blüte vertiefe. Wenn ich Wolkenbilder an mir vorüberziehen lasse. Wenn ich mit geschlossenen Augen in der Frühlingssonne sitze und wahrnehme, wie jeder einzelne Sonnenstrahl mein Gesicht berührt und meine Seele wärmt. Meditation ist der Moment, in dem die Welt um mich herum verblasst und – zumindest für eine kleine Weile – alles andere unwichtig erscheint.

Wenn ich die Natur in meine Meditationspraxis einbeziehe, kann ich Meditation als einen natürlichen Prozess erleben, den ich eigentlich gar nicht erlernen muss. Es ist wirklich so einfach – und einfach großartig <3

Naturmeditation bietet Raum zum Erleben

Berührung mit einem Baum

Leben findet immer im Augenblick statt. Und der Augenblick schafft einen (Er)Lebensraum für inneres und äußeres Erleben. Gleiches gilt für die Naturmeditation. In einer Naturmeditation kann sich der Mensch als Teil der Natur erleben und in Verbindung treten.

Ich kann spüren, wie frische Luft in mich hineinströmt und erst in diesem Moment zum Atem wird. Stehen meine nackten Füße auf dem Waldboden, kann ich den Kontakt mit der Erde fühlen. Streiche ich über die Rinde eines Baumes, berührt meine Haut die Seine. Ich könnte noch ewig so weiterschreiben, denn in der Natur finde ich für jeden Zustand, für jeden Prozess eine passende Analogie, wenn ich den Blick nur offen und absichtslos schweifen lasse.

Wer in den Wald hineinlauscht kann erleben, dass Stille mehr ist als die Abwesenheit von Geräuschen. Die Stille ist lebendig. Ihr Klang ist erfüllt vom Säuseln des Windes, dem Gluckern eines kleinen Bächleins, von Vogelzwitschern. In der Stille kann ich den Herzschlag des Waldes spüren und so auch meinem eigenen Herzschlag lauschen. Durch die Betrachtung eines Naturobjektes kann ich mich direkt in mein Inneres führen lassen und ergründen, was in mir gerade los ist. Jede einzelne Naturmeditation ist anders, denn jeder Baum, jeder Fluss und jeder Grashalm verändert sich. Genau wie der Mensch.

Die Grenzen zwischen Innen und Außen verschwimmen. Vielleicht ist das Gefühl von Trennung tatsächlich nur eine Illusion.

Naturmeditation heilt.

Meditieren in der Natur fördert Entspannung und stärkt das Immunsystem.

Ein Aufenthalt in der Natur tut gut. Das ist an sich kein Geheimnis, doch als Bewohner einer Betonwüste und im hektischen Alltag vergisst man das schonmal. Wie gut ein Aufenthalt in der Natur tut, wird besonders deutlich am Beispiel von Shinrin Yoku. Shinrin Yoku, der achtsame Aufenthalt im Wald, wurde in Japan bereits vor vielen Jahren ins Gesundheitssystem integriert. Das sogenannte „Waldbaden“ wird dort ärztlich verordnet, und viele positive Effekte sind mittlerweile gut dokumentiert.

Messbare körperliche Effekte sind unter anderem

  • eine Senkung von Blutdruck und Pulsfrequenz
  • eine Senkung der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol
  • eine Senkung der sympathischen Nervenaktivität/Erhöhung der parasympathischen Nervenaktivität
  • eine Erhöhung der Anzahl von Killerzellen und Anti-Krebs-Proteinen

Auf psychischer Ebene wirkt Waldbaden lindernd und vorbeugend bei stressbedingten Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen.

Wie viele nebenwirkungsreiche Medikamente könnten wir also einsparen, wenn wir Naturaufenthalte und Meditation regelmäßig in unseren Alltag integrieren? Sicherlich eine Menge! Die Kosten dieser Medizin sind lediglich etwas Zeit, und ihr Wert ist unschätzbar. Mir selbst haben Naturmeditationen vielleicht das Leben gerettet. Und dafür bin ich jeden Tag dankbar <3

Die Natur ist mein Lehrer, mein Freund und meine Welt.

"Von den Jahreszeiten lernen, dass Leben immer von Neuem beginnt" <3 (Ute Latendorf)

Ich bin auch heute noch am liebsten draußen, genauso wie als Kind. Wahrscheinlich wird das auch mit 90 noch so sein 😉 Ich hoffe, dass ich auch dann noch glücklich auf einer wilden Wiese sitzen werde oder unter den flüsternden Zweigen einer Birke. Beobachten – spüren – sein <3

Die Natur ist mein natürlicher Lebensraum. Sie ist mein Element, der Ort an dem ich mich zu Hause fühle. Die Natur ist für mich da, wenn ich mich gut fühle, mich schlecht fühle, oder mich überhaupt nicht fühle.

Sie nimmt mich auf, wie ich gerade bin, und lässt mich wachsen und lernen.

Lernst du mit?

Leben lernen (Ute Latendorf)

Von der Sonne lernen zu wärmen,
von den Wolken lernen leicht zu schweben,
von dem Wind lernen Anstöße zu geben,
von den Vögeln lernen Höhe zu gewinnen,
von den Bäumen lernen standhaft zu sein.

Von den Blumen das Leuchten lernen,
von den Steinen das Bleiben lernen,
von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen,
von den Blättern im Herbst das Fallenlassen lernen,
vom Sturm die Leidenschaft lernen.

vom Regen lernen sich zu verströmen,
von der Erde lernen mütterlich zu sein,
vom Mond lernen sich zu verändern,
von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein,
von den Jahreszeiten lernen,
dass Leben immer von Neuem beginnt <3